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Sonntag, 09. Juli 2017 11:31 Uhr

„Auf einen Kaffee mit…“ Uwe Schünemann

Holzminden (my). Er ist hoch geflogen – und tief gefallen. Zehn Jahre lang war er Niedersachsens Innenminister. Heute sitzt er für die CDU im Landtag, im Holzmindener Kreistag sowie im Stadtrat. In der heutigen Ausgabe unserer beliebten Reihe findet Uwe Schünemann Platz. Denn in Ihren Vorschlägen, liebe Leser, tauchte dieser Name besonders häufig auf. Unsere freie Autorin Melike Yasaroglu hat sich mit ihm getroffen und hatte dabei ein Ziel: Eine etwas andere Seite des „harten Hundes“ kennenzulernen.

Eins vorweg: Ich interviewe Politiker nicht gerne. Denn es ist oft ermüdend und anstrengend. Eine Frage muss mehr als einmal gestellt werden; in der Hoffnung, endlich einmal eine klare Antwort zu bekommen. Doch egal, wie präzise man seine Fragen formuliert, die Antworten klingen irgendwie immer gleich. Umso gespannter bin ich, wie es dieses Mal wird. Uwe Schünemann lädt mich zu sich nach Hause auf einen Kaffee ein. Eigentlich hat er einen vollen Terminplan, aber an diesem Vormittag frei. Er arbeitet von Zuhause aus und genießt es sichtlich. Auch seine Tochter und sein Sohn sind da; es gibt Nachholbedarf.

Jahrelang – vor allem zwischen 2003 und 2013 – war er selten bis gar nicht in seinen eigenen vier Wänden. Gerade einmal vier Jahre alt ist sein Sohn, als Papa das Amt des Innenministers antritt. Er sieht seine Kinder nicht aufwachsen und macht sich deshalb später noch oft Vorwürfe. Heute erzählt mir der 52-Jährige von Abenden, an denen er mit seinem kleinen Sohn gespielt hat – doch gedanklich überhaupt nicht anwesend war.

Den Druck, der auf dem Vater lastet, bekommt auch seine Tochter zu spüren: Der damalige Innenminister ist für seine harte Hand in der Asylpolitik bekannt. Als eine Mitschülerin seiner Tochter abgeschoben werden soll, sammeln Lehrer und Eltern dagegen Unterschriften – und drücken sie dem unwissenden kleinen Mädchen in die Hand. Seine Tochter wechselt die Schule. Ganz vergessen scheint diese Zeit im Hause Schünemann noch immer nicht zu sein. Auch heute fragt sein Sohn fast täglich „Wann kommt Papa nach Hause?“. Vor einigen Jahren hatte sich dieser auch geweigert, seinen Vater beim Wahlkampf zu unterstützen, weil er ihn lieber Zuhause haben wollte.

Mittlerweile ist das Familienleben ruhiger geworden und der Politiker spricht offen über den harten, gar „schmerzhaften“ Fall. Nachdem er seinen Ministerposten geräumt hat, versucht er sich zuerst als Landrat im Kreis Hameln-Pyrmont und dann als Bürgermeister in Höxter. Er scheitert, rückt aber später im Niedersächsischen Landtag nach. „Ich habe mir keine Pause gegönnt“, gibt er zu. Dennoch kann er den bitteren Umständen von damals etwas Positives abgewinnen und beschreibt sich zwar noch immer als ehrgeizig, aber gelassener: „Heute weiß ich, dass es neben Politik auch noch anderes gibt. Das war lange Jahre anders“, meint der 52-Jährige.

Wie nahezu alle Politiker hat Uwe Schünemann eine ehrlich beeindruckende Eigenschaft: Er ist ein großartiger Redner. Als ich ihn lobend darauf anspreche, erzählt er, dass das früher ganz anders war. In seiner Schulzeit hat er gestottert. Bei einem Vorlesewettbewerb in der Aula des Gymnasiums blamierte er sich einmal sogar regelrecht.

Erst vor wenigen Wochen hat sich ganz Holzminden wieder in eine einzige Theaterbühne verwandelt. Die ursprüngliche Idee des Straßentheaterfestivals kommt von Uwe Schünemann. 1988 hat er die Idee, in Holzminden ein Kulturfestival auf die Beine zu stellen – damals war das fast schon revolutionär. Er wälzt Kataloge, engagiert Künstlergruppen und entwickelt ein ganzes Konzept. Lachend erzählt er von seinem jungen Ich, das schon immer etwas bewegen wollte. In diesem Punkt hat er sich offensichtlich nicht verändert. Bald wird er 53 Jahre alt und Politik ist aus seinem Leben nicht wegzudenken. Die Erklärung ist für ihn simpel: „Politik ist eine Sucht.“

Zeit für Gespräche, interessante Menschen und einen Blick hinter die Kulissen – das ist unsere Reihe „Auf einen Kaffee mit…“. Jeden zweiten Sonntag erscheint ein neuer Bericht von unserer freien Autorin Melike Yasaroglu. Aber auch Ihre Vorschläge sind jederzeit willkommen! Senden Sie uns einfach eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, über wen und warum Sie gerne mehr erfahren würden. Die nächste Folge lesen Sie am 23. Juli 2017.

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