Holzminden (lbr). Der Stadtrat der Stadt Holzminden hat am 10. März grünes Licht für die Finanzierung des 18. Internationalen Straßentheaterfestivals gegeben. Die Veranstaltung soll vom 14. bis 16. Mai 2027 stattfinden. Für die Organisation stellte der Rat insgesamt 380.000 Euro in den Haushaltsplan 2027 ein. Nach Angaben der Stadt sei dieser Betrag erforderlich, um das Festival weiterhin auf dem bewährt hohen künstlerischen Niveau durchführen zu können.
Mit der künstlerischen Leitung wird erneut das Kulturbüro Nicole Ruppert betraut. Ein entsprechender Vertrag mit der Kulturmanagerin regelt die Planung sowie die Unterstützung bei der Umsetzung des Festivals.
Diskussion über Kostenrahmen und Haushaltslage
In der Ratsdebatte wurde das Festival grundsätzlich von allen Fraktionen gelobt, zugleich aber die Höhe der Kosten diskutiert.
Gerd Schläger (UWG) erklärte: „Wir sind selbstverständlich für eine Fortsetzung der Veranstaltung, aber die Rahmenbedingungen sind fragwürdig.“ Die Kosten hätten sich im Verlauf der vergangenen Jahre von ursprünglich 300.000 Euro über 350.000 Euro auf inzwischen 380.000 Euro erhöht. Gleichzeitig handele es sich weiterhin um eine freiwillige Leistung der Stadt. Pflichtaufgaben wie der Erhalt der Straßen seien aus seiner Sicht wichtiger. Schläger beantragte daher, den Betrag auf 300.000 Euro zu reduzieren.
Peter Matyssek (CDU) erklärte, seine Fraktion werde der Abstimmung nicht im Wege stehen, habe jedoch die angespannte Haushaltslage im Blick. Das Festival sei „ein Teil unserer Identität – aber der Kostenrahmen ist mächtig“. Man müsse überlegen, wie sich das Straßentheater künftig neu denken lasse. Die CDU gab die Abstimmung innerhalb der Fraktion frei.
Uwe Schünemann (CDU) betonte die kulturelle Bedeutung der Veranstaltung für die Stadt. „Das Straßentheater gehört zu Holzminden wie Duft und Geschmack und es ist etwas, was man nicht fallen lassen sollte.“ Zugleich erinnerte er an die Ursprünge des Festivals im Jahr 1991 als erstes ausschließliches Straßentheaterfestival in Deutschland und kritisierte dennoch die aktuelle Entwicklung. Früher hätten große spektakuläre Aufführungen das Programm geprägt, inzwischen gebe es sehr viele kleine und mobile Darbietungen. Man wolle das Festival 2027 fortführen, müsse aber darüber nachdenken, wie es künftig die Qualität gehalten werden könne.
Große Bedeutung für Innenstadt und Tourismus
Ina Wittkopf (Grüne) bezeichnete das Straßentheater als „Perle der Stadt“. Trotz unterschiedlicher Geschmäcker sei die Qualität durchgehend hoch. Sie verwies auf große Veranstaltungen etwa auf der „Steinbreite“. Das Festival belebe die Innenstadt und komme Gastronomie sowie Hotellerie zugute. Zudem verbinde es die Gesellschaft, da kein Eintritt erhoben werde.
Jan Phillip Rühmann (SPD) erinnerte daran, dass auf Wunsch der Politik eine Publikumsevaluierung durchgeführt worden sei. Dabei habe sich gezeigt, dass der Festivalcharakter ausdrücklich gewünscht werde. Die Strahlkraft entstehe nicht nur durch die großen Abendveranstaltungen, sondern durch den Mix aus verschiedenen Programmpunkten. Qualität lasse sich dabei nicht allein an der Größe der Produktionen messen.
Bürgermeister wirbt für mehr gemeinsames Engagement
Bürgermeister Christian Belke bezeichnete das Straßentheaterfestival als eines von zwei Leuchtturmprojekten der Stadt. An solchen Projekten solle man nicht herumsägen. Gleichzeitig wünsche er sich, dass das Festival künftig noch stärker von der gesamten Stadtgesellschaft getragen werde. Mitarbeiter der Verwaltung seien bereits an den Spielorten im Einsatz um kosten zu sparen. Wenn sich Möglichkeiten zur sinnvollen Kostensenkung ergäben, sei er offen dafür.
Der Antrag von Gerd Schläger, die Mittel auf 300.000 Euro zu reduzieren, wurde mit drei Ja-Stimmen bei deutlicher Mehrheit abgelehnt. Der ursprüngliche Beschluss zur Finanzierung in Höhe von 380.000 Euro wurde anschließend mit 24 Ja-Stimmen bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen angenommen.