Holzminden (awin). Der Holzmindener Wochenmarkt gehört seit vielen Jahren zum Bild der Innenstadt. Zwischen Ständen, kurzen Gesprächen und bekannten Gesichtern ist er für viele Menschen mehr als ein Ort zum Einkaufen: Er ist ein Stück gewohnter Stadtalltag auf dem Marktplatz. Doch dieser Stadtalltag ist nicht selbstverständlich. Die Bedingungen für die Beschicker haben sich verändert, die Konkurrenz ist größer geworden, Nachfolger für Marktstände sind schwerer zu finden.
Der Rat der Stadt Holzminden hat darauf am Dienstag, 30. Juni, einstimmig reagiert. Beschlossen wurde ein Antrag der CDU-Fraktion, mit dem der Wochenmarkt gestärkt und weiterentwickelt werden soll. Der Beschluss liefert noch keine fertigen Lösungen, sondern gibt zunächst die Richtung vor: Der Markt soll gemeinsam mit denen neu gedacht werden, die ihn betreiben, nutzen und für die Innenstadt erhalten wollen.
Wenn Tradition allein nicht mehr reicht
Im Antrag wird eine Entwicklung beschrieben, die für viele Marktbetreiber längst spürbar ist. Angebote, die früher klar mit dem Wochenmarkt verbunden wurden, stehen heute auch in Supermärkten bereit. Für die Beschicker wird es dadurch schwieriger, dauerhaft wirtschaftlich zu arbeiten. Besonders kritisch wird es, wenn für bestehende Stände keine Nachfolger gefunden werden.
Gleichzeitig bekennt sich die Stadt ausdrücklich zum Wochenmarkt als Anbieter regionaler Produkte. Es geht um Frische, Qualität, kurze Wege, weniger Verpackungsmüll und die Unterstützung landwirtschaftlicher Betriebe vor Ort. Vor allem aber geht es um den direkten Kontakt: Auf dem Markt wird nicht nur verkauft, sondern beraten, erklärt und miteinander gesprochen.
CDU-Ratsmitglied Peter Matyssek fasste diesen Gedanken in der Sitzung so zusammen: „Der Wochenmarkt ist mehr als nur ein Ort des Handels, er ist ein Ort der Begegnung und ein beliebter Treffpunkt.“ Auch für das Bild der Stadt spiele der Markt eine wichtige Rolle. „Ein gut besuchter Wochenmarkt ist ein Aushängeschild für die Stadt Holzminden.“
Ausschuss soll Ideen aus der Stadt aufnehmen
Kern des Beschlusses ist ein Handlungskonzept, das unter Beteiligung der Marktbetreiber und der Nutzer des Wochenmarktes entstehen soll. Die Verwaltung soll daraus später konkrete Vorlagen für den Rat erarbeiten. Damit soll es nicht bei einer allgemeinen Absichtserklärung bleiben.
Dazu wird ein offener Ad-hoc-Marktausschuss eingesetzt. Beteiligt werden sollen Vertreter der Marktbetreiber, der Landwirtschaft und der Regionalmarke „Echt“, des Werbekreises und der Gastronomie, des Stadtrates, des Ordnungsamtes und des Stadtmarketings. Der Ausschuss soll öffentlich tagen. Auch Bürgerinnen und Bürger sollen ihre Ideen einbringen können.
Inhaltlich geht es um mehrere Linien. Der Wochenmarkt soll sichtbarer werden, etwa über eine digitale Plattform auf der Homepage und in der App der Stadt Holzminden. Dort könnten Stände und Sortimente tagesaktuell vorgestellt werden. Auch soziale Medien und ein Bonusprogramm für regelmäßige Einkäufe sollen geprüft werden.
Zugleich geht es um neue Zielgruppen. Zusätzliche Anbieter könnten den Markt ergänzen und auch jüngere Menschen oder Familien stärker ansprechen. Genannt wird unter anderem Streetfood mit regional hergestellten Produkten. Für neue Beschicker könnte die Gebühr für sechs Monate ausgesetzt werden.
Auch der Zugang zum Markt soll in den Blick genommen werden. Diskutiert werden sollen unter anderem Sonderparkzonen für Marktbesucher, bargeldloses Bezahlen, ergänzende Verkaufsflächen im Anschluss an den Marktplatz und ein Hol- und Bringdienst für pflegebedürftige Menschen durch bereits bestehende Dienste der Sozialverbände. Kindergärten und Schulen könnten beim Thema gesunde Ernährung eingebunden werden, Kulturangebote von Kindern und Jugendlichen könnten zusätzliche Belebung während der Marktzeiten bringen.
Breite Zustimmung im Rat
Dass der Antrag ohne Gegenstimme beschlossen wurde, wurde in der Sitzung positiv hervorgehoben. Peter Ruhwedel von den Grünen sagte: „Erfreulich ist, dass bei diesem Thema alle Parteien und die Verwaltung den Weg gemeinsam gehen.“
Bürgermeister Christian Belke verwies zudem darauf, dass den Beschickern wegen der Einschränkungen am 23. Mai auf dem Marktplatz am Ehrentag die Standgebühren erlassen worden seien. Damit wurde deutlich, dass die Situation der Marktbetreiber nicht nur grundsätzlich, sondern auch in konkreten Fällen Thema ist.
Der Beschluss löst die Herausforderungen des Wochenmarktes nicht über Nacht. Er macht aber klar, dass die Stadt den Markt nicht einfach dem Wandel überlassen will. Für die Beschicker geht es dabei nicht nur um einzelne Verbesserungen, sondern um die Frage, wie sich der Markt dauerhaft tragen kann. Für die Innenstadt geht es um einen Ort, der mehr ist als eine Verkaufsfläche. Ob aus den Ideen am Ende spürbare Veränderungen auf dem Marktplatz werden, hängt nun vom Ausschuss und den folgenden Ratsbeschlüssen ab.
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