Holzminden (haa). Die vereinte Dienstleistungsgewerkschaft „ver.di“ streikt: Die Arbeitnehmer im Öffentlichen Dienst sind überlastet. Grund dafür sind die fehlenden Arbeitskräfte und die dadurch entstehende Überbelastung. „Umso weniger Arbeitskräfte vorhanden sind, desto mehr ist zu tun“, erklärt Jonas Schmidt, Gewerkschaftssekretär der ver.di in Hannover. Der Ortsverein Holzminden lud am Freitag, 14. Februar zu einem „Streik-Frühstück“ ein. Mitarbeiter der Stadtwerke, des Wasserschifffahrtsverbunds, der Stadtverwaltung und der Kindergärten am Bahnhof und am Birkenweg waren anwesend, um ein Zeichen an die Arbeitgeberverbände zu setzen – Es darf so nicht weitergehen.
Dies verdeutlichte auch die von ver.di durchgeführte bundesweite Befragung aller Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Dabei zeigte sich, dass eine Mehrheit der Befragten auf drei Überstunden pro Woche kommen und diese dann nicht einmal abbauen können. Genau hier setzt die Gewerkschaft ver.di an. Sie fordert ein allgemeines „MeineZeit-Konto“, in dem die Stunden eingetragen und nach einem Jahr entweder ausgezahlt oder durch Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit ausgeglichen werden, z.B. durch eine Vier-Tage-Woche. Auch längere Freistellungsphasen sollen dadurch ermöglicht werden. Mit der gewonnenen Flexibilität im Umgang mit der eigenen Arbeitszeit, soll die Beschäftigung im Öffentlichen Dienst wieder attraktiver werden. Laut Jürgen Hesse, dem stellvertretenden Ortsvorsitzenden der ver.di, könnten sich viele Beschäftigte nicht mehr vorstellen ihre Arbeit bis zu der Rente auszuüben und betont: „Es ist eine zu große Belastung der Mitarbeiter.“
Die Forderungen beinhalten auch eine Erhöhung des Entgeltes auf ein Volumen von acht Prozent, mindestens aber eine Steigerung von 350 Euro sowie höhere Zuschläge für besonders belastende Tätigkeiten. Die Ausbildungsvergütungen und Praktikantenentgelte sollen um 200 Euro angehoben werden. Ebenfalls verlangt ver.di drei zusätzliche freie Tage, um weiter zu entlasten.
Schon im vergangenen Oktober wurden die Forderungen an die Arbeitgeberverbände herangetragen. Vier Monate hatten die Arbeitgeber Zeit, sich auf die erste Tarifverhandlung, die am 24. Januar stattfand, vorzubereiten. Von der Vorbereitung selbst sei jedoch an dem besagten Tag nichts zu sehen gewesen. Der Termin musste zeitlich nach hinten verschoben werden, damit sich die Arbeitgeberverbände erst noch absprechen konnten. Bei der eigentlichen Verhandlung wurde dann so getan, als würden die Forderungen zum ersten Mal zur Sprache kommen. Es wurde kaum reagiert – teilweise lediglich ein Kopfschütteln der Beteiligten. „Die Arbeitgeber sind den Forderungen mit dem Argument begegnet, dass die Belastung nur für Menschen in hohen Entgeltgruppen gilt. Wir sind nah an den Arbeitern und nehmen das ganz anders wahr“, schildert Hesse.
In Potsdam soll nun vom 17. bis 18. Februar die zweite Runde der Tarifverhandlungen folgen. „Wir erwarten ein konkretes Angebot“, meint die Gewerkschaftssekretärin Susanne Basti. Sollte dies nicht der Fall sein, würde der Warnstreik ausgeweitet werden. Dann müsste die Gewerkschaft in eine dritte Verhandlungsrunde, die vom 14. bis 16. März stattfindet. Bei erneuter Kompromisslosigkeit der Arbeitgeberverbände, müsse geprüft werden, wie weiter verfahren wird.
Dass die Verbände der Gewerkschaft nicht entgegenkommen, empfänden die Mitglieder der ver.di als fehlende Wertschätzung ihrer Arbeit. Basti erklärt: „Wir haben das Gefühl, als hätten sie kein Interesse an einer Einigung. Dabei ist die Arbeit im Öffentlichen Dienst doch im Gemeininteresse.“ Im Vergleich zu den letzten 20 Jahren seien laut Hesse viel mehr Arbeitsstellen unbesetzt und das in fast allen Landkreisen. „Die Arbeit muss wieder attraktiver werden“, fordert er. Hierfür müssen sich die Rahmenbedingungen ändern und Arbeitnehmer entlastet werden - es brauche Vorschläge seitens der Arbeitgeberverbände. Ob ver.di in der nächsten Tarifverhandlung ein Angebot erhalten wird, ist noch unklar. Klar ist jedoch, dass sie weiter dranbleiben werden. „Wir geben nicht auf“, so Basti.
Fotos: Haasper