Holzminden (red). Ausgehend von dem erlebten Alltag vieler junger Mädchen, in dem ihre aufgezeigten Grenzen von Jungs leider immer wieder Missachtung und Ablehnung erfahren, bot das Jugendzentrum der Stadt Holzminden auch in diesem Jahr zum Weltfrauentag einen Aktionstag für jugendliche Mädchen ab 14 Jahren an.
Julia Rentziehausen, als Leitung des Jugendzentrums kann berichten, „In unserem Jugendzentrumsalltag sprechen mich immer wieder jugendliche Mädchen an, die übergriffigem Verhalten von Gleichaltrigen oder älteren Jungs ausgesetzt sind oder waren. Diese Mädchen sind sich ihrer Rechte sehr bewusst, äußern diese und setzen Grenzen. Diese Rechte und Grenzen werden leider nicht grundsätzlich respektiert, sondern viel zu häufig übergangen, als vermeintlich daher gesagt verstanden und somit missachtet. Im Sinne des Weltfrauentages und der Mädchenarbeit in unserem Haus, entschieden wir uns für ein Angebot für junge Mädchen. Grundsätzlich ist es bei dieser Thematik jedoch mindestens ebenso wichtig, die Jungs für ihr Fehlverhalten zu sensibilisieren und ihnen Grenzen aufzuzeigen. Auch zu diesem Aspekt soll es bei uns im Laufe des Jahres Angebote geben“
Unter dem Motto „Weil ich ein Mädchen bin?!“ trafen sich am 8. März 2025 12 Mädchen zwischen 14 und 17 Jahren aus Holzminden im Jugendzentrum und starteten mit einem Selbstbehauptungskurs in den gemeinsamen Tag. Durchgeführt und angeleitet wurde dieser von Marcel Schürzeberg und seiner Trainingspartnerin Alina Schnauder vom TV Deutsche Eiche Holzminden. Für das kostenlose Weltfrauentagsprogramm „Weil ich ein Mädchen bin?!“ konnten sich die Mädchen bereits ab Februar anmelden.
Selbstbehauptung ist die Fähigkeit, sich der eigenen Rechte bewusst zu sein und diese kommunizieren zu können. Häufig wird Jugendlichen zwar beigebracht, dass Gewalt schlecht ist aber ihnen wird nicht gezeigt, wie sie mit übergriffigem Verhalten oder Gewalt gegen sich umgehen oder wie sie sich davor schützen können.
Egal, ob in der Schule oder in der Freizeit, das Verhalten der Jugendlichen untereinander beeinflusst das Wohlbefinden und ihren Alltag maßgeblich. Durch Förderung des Selbstbewusstseins und Deeskalationsstrategien kann es gelingen einen Konflikt nicht entstehen oder zumindest nicht eskalieren zu lassen. Zudem gilt beides gleichermaßen als Grundlage, um noch besser für die eigenen Rechte einstehen und diese kommunizieren zu können.
Zu Beginn des Selbstbehauptungskurses ging es grundsätzlich um theoretische Grundlagen zu Krisensituationen im Leben, welche an fiktiven Fallbeispielen dargestellt wurden. Die dargestellten Krisensituationen handelten sowohl von Szenarien, in denen sich Täter und Opfer persönlich gegenüberstehen als auch von solchen, in denen Mobbing in sozialen Netzwerken thematisiert wurde. Die Mädchen betrachteten die Fälle aus unterschiedlichen Perspektiven, notierten ihre jeweiligen Lösungsansätze, stellten sie den anderen vor und diskutierten darüber. Ziel dieser Übung war es, den Mädchen zu vermitteln, dass es mehrere Ebenen eines Konfliktes und somit auch einer Konfliktlösung gibt.
Nach der Theorie folgte die Praxis. Die Teilnehmerinnen durften – in einem mit Matten ausgestatteten Raum – in zweier-Gruppen ausprobieren, wie sie sich in Gefahrensituationen zur Wehr setzen können. Zuvor wurden ihnen die geübten Befreiungsgriffe, Bodentechniken und das gezielte zu-Boden-bringen eines Angreifers von den Trainern Alina und Marcel gezeigt. Durch das Ausprobieren der Techniken, konnten die Mädchen lernen, sich in Konfliktsituationen angemessen und selbstbewusst zu verhalten und gleichzeitig ihre Sozialkompetenz fördern. Sie hatten sichtlich Spaß, verstanden die Situationen aber auch mit der nötigen Ernsthaftigkeit.
Wichtig ist hier noch zu erwähnen, dass Selbstbehauptung geübt werden muss, um sicher angewendet werden zu können und so der gemeinsame Nachmittag lediglich einen Einblick in die Thematik geben konnte. Besonders das praktische Ausprobieren der Übungen und Strategien fanden viele Mädchen spannend und sie würden gerne Weiteres dazu lernen. Für das Jugendzentrum ist denkbar, auch über den Weltfrauentag hinaus diesen Bedarf aufzugreifen und häufiger einen Selbstbehauptungskurs anzubieten.
Nach dem knapp 4-stündigen Kurs, war es Zeit für eine Stärkung – ein gemeinsames Essen – jede Teilnehmerin konnte sich ihren eigenen Burger kreieren und diesen mit Pommes genießen. Beim gemeinsamen Burgeressen wurde sich über das zuvor Erlernte ausgetauscht, im Anschluss nutzten die Mädchen die Räume des Jugendzentrums noch zur Freizeitgestaltung und ließen so den Tag ausklingen.
Vom Jugendzentrum gab es zur Abrundung des Tages noch ein kleines Geschenk – einen Goodybag, welcher kleine Präsente von kleinen Wohlfühlprodukten bis hin zu potenziell wichtigen Nummern und Links enthielt. Zudem war in diesem ein Flyer zu der Umfrage „Erzähl mir was von Deinem Schönheitsideal“ zu finden. „Die Umfrage ist seit dem 8. März online und alle Jugendlichen sind eingeladen, sich 5 Minuten Zeit zu nehmen, um die Fragen zu Schönheitsidealen und die Beeinflussung dieser durch Social Media zu beantworten. Mit den Ergebnissen möchte ich gezielt Angebote zum Thema Selbstwert/-liebe, Schönheitsideale und weiterführend zum Hinterfragen von Gezeigtem auf Social Media anbieten.“ so Kinder- und Jugendbeauftragte Julia Rentziehausen.
„Ich mich noch einmal bei Marcel Schürzeberg für den wirklich tollen Kurs bedanken. Auf der Basis der durchweg positiven Rückmeldungen der Mädchen im letzten und auch in diesem Jahr werden wir einen Selbstbehauptungskurs am Weltfrauentag fest in unsere Jahresprogramme im Jugendzentrum aufnehmen“ so Rentziehausen abschließend.
Foto: Stadt Holzminden