Holzminden (haa). Die Aula des Campe-Gymnasiums Holzminden wurde am gestrigen Abend zu einem Ort des Diskurses, des Austauschs und der gesellschaftlichen Reflexion. Eine Ausstellung, gesellschaftskritische Reden sowie musikalische und szenische Darbietungen der Schüler befassten sich mit dem Thema Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit.
Die Ausstellung „Oh Dummel“
Die Aula ist mit einer Ausstellung der etwas anderen Art bestückt: „Oh Dummel“ ist eine Vernissage mit Karikaturen, die sich dem Thema Rechtsextremismus und Menschenfeindlichkeit widmet. Auf humorvolle Weise werden Stereotype und Vorurteile gegenüber Menschen anderer Herkunft aufgegriffen und die Besucher zum Nachdenken angeregt: Welche rassistischen Denkmuster existieren in unserer Gesellschaft? Wo beginnt Rassismus? Und was können wir tun, um als vielfältige Gemeinschaft zusammenzuleben? Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung, die im Jahr 2015 von der CD-Kaserne in Kooperation mit dem Fachdienst Jugendarbeit der Stadt Celle konzipiert wurde.
Die Rolle des „Demokratischen Bündnisses gegen Rechts“
„Das demokratische Bündnis gegen Rechts“, unter der Leitung von Christiane Harbort-Ring und Dr. Vera Werner, initiierte die Kooperation zwischen der Ausstellung und dem Gymnasium, die bereits 2017 erstmals stattfand. Schon damals war sie laut den Organisatorinnen ein voller Erfolg, der viele Schüler anzog und ihnen das Thema Rechtsextremismus näherbrachte. „Wir haben den Ausgang der Bundestagswahl gesehen – gerade in der heutigen Zeit ist das Thema von großer Bedeutung. Umso wichtiger ist es, auch in Schulen darüber aufzuklären“, erklärt Harbort-Ring die Motivation ihrer Initiative. Finanziell unterstützt wird die Ausstellung am Campe-Gymnasium durch den Förderverein der Schule und die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung.
Der Kontrast von Humor und Ernst
Die Idee, ein so ernstes Thema wie Menschenfeindlichkeit mit der Leichtigkeit der Satire zu kombinieren, sei laut Herrn Bolte, Lehrer für Politik und Wirtschaft, zwar ein harter Kontrast, biete aber dennoch einen jugendgerechten Zugang. Er war schon 2017 zusammen mit seinem Kollegen, Herrn Dr. Kreitz, ein großer Unterstützer des Projekts und freut sich, dass es in diesem Jahr wieder funktioniert hat. Die Ausstellung lädt dazu ein, über die Karikaturen zu lachen – und im nächsten Moment die Ernsthaftigkeit dahinter zu erkennen. Die harte Botschaft, die nach dem Lachen im Kopf bleibt.
Schulleiterin Inez Schroth zur Bedeutung der Ausstellung
Die Schulleiterin des Campe-Gymnasiums, Inez Schroth, war von der Rückkehr der Ausstellung sofort überzeugt. „Es ist ein neuer Zugang für die Schüler und gewissermaßen ein Zeichen für eine offene und vor allem ehrliche Gesprächskultur, in der sich gesellschaftlich und politisch ausgetauscht wird“, betont Schroth und ergänzt: „Wir möchten den Schülern dahingehend Mut machen.“
In ihrer Rede nahm sie Bezug auf das Grundgesetz, welches im letzten Jahr sein 75-jähriges Bestehen feierte. Dieses sei wertvoll und müsse uns an eine zentrale Aussage des Grundgesetzes erinnern: Alle Menschen sind gleich. Der aktuelle Trend, Vielfalt nicht als Chance, sondern als Sinnbild der Bedrohung und der Ängste zu sehen, sei daher nicht vorteilhaft für eine gemeinsame Zukunft. Doch es gehe auch darum, Konflikte innerhalb einer Gesellschaft zu ertragen. Denn ein freier Austausch sei ein Grundbaustein für Demokratie und für die Aufklärung verankerter Vorurteile. Wertvorstellungen und die staatsbürgerliche Verantwortung zu vermitteln, gehöre ebenfalls zu dem Bildungsauftrag der Schulen. Daher sei die Ausstellung in der Aula an genau dem richtigen Ort. Abschließend bedankte sich Schroth bei allen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben.
Die Bedeutung der Medien und Demokratiebildung
Auch der schulische Dezernent Christian Schwarze richtete sich an die Besucher. „Die Ausstellung bietet uns den Raum, darüber nachzudenken, wie wir selbsternannten Feindbildern begegnen und wie wir es schaffen, Vielfalt in unserem Land zu fördern. Die Schule ist ein Lernort der Demokratie und daher müssen wir die Demokratiebildung in unserem Unterricht integrieren und fördern“, meint Schwarze. Dabei müsse der Fokus auch auf die Medien gelenkt werden – die Schüler sollen lernen zu erkennen, welche Informationen verfälscht dargestellt werden und wie gefährlich Hassreden im Netz sind.
Kristin Harney zur Sichtbarkeit der Betroffenen
Vor Ort war ebenfalls Kristin Harney, ehemalige Schülerin des Campe-Gymnasiums und heute Projektleiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Niedersachsen. Sie nehme wahr, dass der Blick zu oft in Richtung der Rechtsextremisten gelenkt werde und die betroffenen Personen zu wenig Sichtbarkeit in unserer Gesellschaft hätten. „Wir dürfen die Betroffenen nicht außer Acht lassen und uns selbst auch die Frage stellen: Was brauchen Menschen, die in ihrem Alltag Rassismus erfahren, um sich in ihrem Beruf und auf den Straßen auch wohlzufühlen?“, fordert Harney. Zudem ist sie der Meinung, dass sich die Grenze des Sagbaren verschoben habe. Das Extreme werde oft zu sehr legitimiert und dadurch werde die Meinungsfreiheit ausgenutzt, um rassistische Aussagen zu verherrlichen. Dies müsse sich die Gesellschaft als Problem bewusst machen.
Schülerengagement und musikalische Beiträge
Die Schüler des 12. Jahrgangs waren ebenfalls Teil der gestrigen Veranstaltung. Der Kurs „Darstellendes Spiel“ von René Adamek hat sich eine szenische Darbietung, passend zum Thema, überlegt. Die Schüler präsentierten nacheinander Aussagen auf der Bühne, die sie selbst in ihrem Alltag nicht begegnen wollen. Sätze wie „Dein Pass ist deutsch, dein Gesicht nicht“ hinterließen bei den Besuchern einen spürbaren Eindruck. Es wurde auch musikalisch: Der Schüler Konrad Rohé trat unter Klavierbegleitung mit dem französischen Proteslied „Le Temp des cerises“ auf, das von einem hoffnungsvollen Blick in die Zukunft handelt. Schülerin Sophia Rhein sang das selbstgeschriebene Lied ihrer Schwester „Wenn alle nicht nur reden würden“, ebenfalls mit musikalischer Begleitung von zwei ihrer Mitschüler. Im Refrain geht es weiter mit der Zeile: „Dann könnten wir den Hass besiegen.“ Eine wichtige Botschaft in Zeiten wie diesen.
Besichtigungsmöglichkeiten der Ausstellung
Die Klassen ab dem achten Jahrgang werden in den kommenden Tagen gemeinsam mit ihren Politiklehrern die Ausstellung in der Aula besuchen und sich im Unterricht intensiv austauschen. Von 15 bis 18 Uhr haben auch externe Besucher die Möglichkeit, Zeugen dieser besonderen Karikaturen zu werden. Der Eintritt ist kostenlos. Noch bis zum 28. März können sich Interessierte unter folgendem Link für eine Besichtigung anmelden:
https://nuudel.digitalcourage.de/VPkIfu3HUXGJ5nDQ