Holzminden (awin). Das Sensoria hat am Mittwochmorgen einen neuen Ort über der Weser eröffnet: Auf der Dachterrasse des Ausstellungshauses lädt künftig ein Duftgarten zum Verweilen, Entdecken und Ausprobieren ein. Zwischen Hochbeeten, Kräutern und besonderen Duftpflanzen wird die Welt der Aromen nun auch unter freiem Himmel erlebbar.
Auf der Dachterrasse können Besucherinnen und Besucher künftig nicht nur eine Pause einlegen, sondern selbst aktiv werden. In den Hochbeeten wachsen Pflanzen, die erst beim Berühren ihr Geheimnis preisgeben. Wer an den Blättern reibt, wird überrascht: Manche duften nach Ananas, andere nach Cola, Orange, Schokolade oder Knoblauch. Genau dieses Staunen soll den neuen Garten prägen.
Sensoria-Geschäftsführerin Barbara Richter sprach bei der Eröffnung von mehr als einer zusätzlichen Terrasse. Der neue Dachgarten sei „eine Erweiterung von Sensoria. Ein Ort zum Verweilen, Austauschen und Entdecken“. Damit greife der Außenbereich die Grundidee des Hauses auf: Düfte, Aromen und Erinnerungen nicht nur zu erklären, sondern mit allen Sinnen erfahrbar zu machen.
Ein neuer Ort über der Weser
Möglich wurde das Projekt „duftender Dachgarten“ durch die Braunschweigische Stiftung, die den Aufbau mit 50.000 Euro unterstützt hat. Friedemann Schnur, geschäftsführender Vorstand der Stiftung, nannte den Dachgarten „einen tollen Ort, um den Museumsbesuch ausklingen zu lassen“. Für ihn sei der neue Bereich zugleich das „i-Tüpfelchen“ des gesamten Gebäudes.
Auch in der Gestaltung steckt lokaler Bezug. Die Cortenstahl-Blumenkübel nehmen die Optik der Fassade auf, die Möbel aus europäischer Lärche wurden von einer regionalen Tischlerei gefertigt. Die Bepflanzung übernahm das grüne Team der Stadtwerke, das das Projekt auch fachlich begleitete. Versorgt werden die Hochbeete über eine automatische Tröpfchenbewässerung.
Wenn Pflanzen plötzlich nach Schokolade duften
Herzstück des Dachgartens ist ein Pflanzenquiz mit dem Motto „Reiben – Riechen – Raten“. In sechs Hochbeeten stehen besondere Duftpflanzen, die von den Gästen entdeckt werden können. Anschließend wird am Quiz-Tisch die passende Auflösung gesucht.
Projektleiterin Stefanie Wagener beschrieb den Aha-Moment am Beispiel des Ananas-Salbeis: „OH, das riecht ja wie Ananas!“ Gerade weil die Pflanze äußerlich nicht an die Frucht erinnere, entstehe der besondere Überraschungseffekt. Zu erraten sind außerdem Zitronenverbene, Cola-Strauch, Schokoladenblume, Schnitt-Knoblauch und Orangenminze.
Das Quiz kann auch umgekehrt gespielt werden: Erst wird am Tisch eine Pflanze ausgewählt, anschließend muss sie in den Hochbeeten gefunden werden. Für sehbeeinträchtigte Gäste stehen die Pflanzennamen zusätzlich in Braille-Schrift auf den Steckschildern.
Neben den Duftpflanzen wachsen auf der Dachterrasse unter anderem Thymian, Lavendel, Salbei, Zitronenmelisse, Veilchen, Nachtkerze, Ziergräser, Eisenkraut und Ysop. An kleinen Kräutertischen gibt es zudem Rezeptideen zu Currykraut, Oregano und Thymian.
In den Sommermonaten soll der Dachgarten auch Veranstaltungsort werden. Geplant sind „Sommerweine und Tappas“ am 18.06., ein Blumenkranz-Workshop am 15.07., eine Kinder-Kräuterwerkstatt am 31.07., ein Kinderworkshop zu Duft-Roll-ons mit ätherischen Ölen sowie ein Cocktailabend am 21.08. Für einzelne Angebote seien noch Plätze frei.
So bekommt Holzminden nicht nur eine neue Station für Gäste des Sensoria, sondern auch einen besonderen Platz über der Stadt. Einen, an dem der Blick zur Weser geht, die Hände über Blätter streichen – und plötzlich Schokolade, Cola oder Ananas in der Luft liegen.


Fotos: awin