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Mittwoch, 10. Juni 2026 Mediadaten
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Holzminden/Göttingen (red). Seit elf Jahren baut das Blue-Flash-Team Rennwagen – und sammelt dabei wertvolle Erfahrung für den Beruf. Die Studierenden entwickeln an der HAWK elektrische Rennfahrzeuge für internationale Wettbewerbe. Beim Roll-out des neuen E_HAWK26 steht nicht nur die Technik im Fokus, sondern auch die Bedeutung des Projekts für Studium und Karriere.

Neuer Rennwagen wird am Gesundheitscampus vorgestellt

Der neue E_HAWK26 steht im Mittelpunkt des Roll-outs von Blue Flash, dem Formula-Student-Team der HAWK, das Jahr für Jahr elektrische Rennfahrzeuge entwickelt und bei europäischen Wettbewerben an den Start bringt. Das Projekt verbindet Lehrinhalte mit praktischer Konstruktion und verschafft den Beteiligten frühe Einblicke in technische Abläufe, Teamorganisation und die Anforderungen der Arbeitswelt. Nun ist der neue Rennwagen fertig: Feierlich wird er in der Sheddachhalle des Gesundheitscampus Göttingen der Öffentlichkeit präsentiert.

Mittlerweile umfasst Blue Flash zehn Fahrzeuge, die in den vergangenen Jahren entstanden sind. Damit hat sich das Projekt nicht nur zu einem festen Bestandteil der praxisorientierten Ausbildung an der Hochschule entwickelt, sondern auch zu einem Aushängeschild. Dabei ist jedes Fahrzeug ebenso einzigartig wie das Team selbst: Neue Studierende kommen hinzu, andere verlassen die Hochschule nach ihrem Abschluss.

Wie stark Blue Flash für die Außendarstellung der Hochschule und für die Studierenden selbst wirkt, betont Prof. Katja Scholz-Bürig, HAWK-Vizepräsidentin für Studium und Lehre: „Blue Flash ist eines unserer wichtigsten Projekte. Es hat eine enorme Außenwirkung und macht Hochschule und Studium im besten Sinne ‚anfassbar‘.“ Zugleich verweist sie auf eine weitere Besonderheit des Teams: „Dieses Projekt umfasst 45 Personen – eine Größe, die viele Unternehmen so gar nicht realisieren würden. Es war nicht einfach, aber es ist gelungen – und darauf sind wir sehr stolz.“

E_HAWK26 mit mehr Leistung und weiterentwickelter Aerodynamik

Der E_HAWK26 knüpft technisch an seine Vorgänger an, markiert aber eine weitere Entwicklungsstufe. Das Fahrzeug verfügt über eine Leistung von 80 kW, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 115 km/h und ist auf eine Renndistanz von 26 Kilometern ausgelegt. Angetrieben wird der Wagen von einem Elektromotor an der Hinterachse. Das Fahrzeug wiegt rund 200 Kilogramm und besitzt einen Stahlrohrrahmen.

In diesem Jahr wurde das Aerodynamik-Paket weiterentwickelt. Der Heckflügel ist nun geschwungen, zudem wurde die Spannung im Akkumulator auf 600 Volt erhöht, um die elektrische Leistung effizienter zu nutzen.

Auch auf den fahrerlosen Betrieb ist der E_HAWK26 weiter vorbereitet worden. Für die Driverless-Kategorie hat das Team zusätzlich zur Kamera einen LiDAR-Sensor installiert, der die Position der Streckenhütchen präziser erfassen soll. Das System ergänzt die bisherige Umgebungserkennung und soll das Fahrzeug besser in die Lage versetzen, selbstständig durch den Parcours zu manövrieren. Im vergangenen Jahr startete Blue Flash erstmals in dieser Wertung, was durch Entwicklungen der vorangegangenen Saisons möglich wurde.

„Wir hoffen, dass wir mit dem neuen System alle Disziplinen im autonomen Fahren absolvieren und damit viele Punkte in der Weltrangliste sammeln können. Gleichzeitig erwarten wir durch den neuen Akku mehr Verlässlichkeit und deutlich mehr Testzeit“, so der technische Leiter Tobias Weyh. Rückblickend beschreibt er die vergangenen Tage als äußerst fordernd: „Im Moment überwiegt bei mir vor allem eines: Erleichterung. Jetzt mit dem fertigen Auto hinter mir wird mir erst richtig bewusst, wie viel Zeit und Energie wir in den letzten Tagen und Wochen in dieses Projekt gesteckt haben.“

Auch Teamleiter Tilman Völkering blickt mit sichtbarer Zufriedenheit auf das Ergebnis der intensiven Entwicklungsphase. „In dieses Auto ist unglaublich viel Zeit geflossen. Umso stolzer bin ich, dass es jetzt fertig vor uns steht“, sagt er. Besonders hervorgehoben wird auch das Erscheinungsbild des Fahrzeugs: „Die Folierung ist, wie ich finde, sehr gelungen – das Auto sieht einfach gut aus. Jetzt überwiegt die Vorfreude darauf, zu sehen, wie es auf der Strecke performt.“

Projekt gilt als Brücke zwischen Studium und Beruf

Welchen Weg das Team, das größtenteils an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften und Gesundheit studiert, in den vergangenen Monaten gehen musste, beschreibt Faculty Advisor Salvatore Sternkopf. Für ihn ist das Roll-out weit mehr als eine technische Präsentation: „Heute ist ein besonderer Tag: Ein Roll-Out ist nie nur die Präsentation eines Projekts. Er steht für Haltung, Durchhaltevermögen und den gemeinsamen Glauben daran, dass aus einer Idee etwas Reales werden kann.“ Er erinnert zugleich daran, dass sich das Team am Anfang neu finden und formen musste: „Und dennoch habt ihr es geschafft, nicht nur weiterzumachen, sondern ein Projekt zu realisieren, das heute sichtbar wird. Darauf könnt ihr mit Recht stolz sein.“

Welche Bedeutung Blue Flash aus Sicht der Wirtschaft hat, formuliert Sebastian Vreemann, Keynote Speaker und Vertreter des Sponsors Kappa. „Wenn wir Mitarbeitende kennenlernen, die zuvor im Blue-Flash-Team aktiv waren, fällt eines sofort auf: Ihr Engagement geht deutlich über das hinaus, was man üblicherweise von Studierenden erwartet“, sagt er. Aus Unternehmensperspektive sei das Projekt mehr als klassische Nachwuchsförderung: „In der Projektarbeit erwerbt ihr eine Vielzahl an Fähigkeiten, die ihr im Berufsleben dringend braucht. Aus Unternehmenssicht ist das Sponsoring deshalb im besten Sinne eine vorgezogene Weiterbildungsmaßnahme.“

Am Beispiel des E_HAWK26 zeigt sich, wie Studierende in einem großen, eigenverantwortlich organisierten Team Kompetenzen erwerben, die weit über den Hörsaal hinausreichen – und auf den Rennstrecken in Europa unmittelbar sichtbar werden. Auf dem Fahrplan der Konstruktionswettbewerbe stehen in Deutschland Formula Future sowie Formula Student Germany.

Oder, wie es Vreemann formuliert: „Ich wünsche euch eine erfolgreiche Saison und freue mich darauf, hoffentlich auch im nächsten Jahr wieder beim Roll-Out dabei zu sein. Bis dahin wünsche ich euch eine spannende, ereignisreiche – und gern auch anstrengende – Zeit mit Blue Flash.“

Fotos: HAWK

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