Holzminden (awin). In der Holzmindener Innenstadt ist es an mehreren Stellen still geworden. Dort, wo sonst Wasser plätschert und Brunnen das Stadtbild prägen, bleibt es derzeit trocken. In der Ratssitzung am 30. Juni griff Peter Ruhwedel, zweiter stellvertretender Ratsvorsitzender der Grünen, das Thema unter dem Punkt Anfragen und Anregungen auf. Er wollte wissen, ob und warum die Brunnen der Stadt Holzminden abgestellt worden seien.
Die Redaktion ist dem Hinweis nachgegangen und hat bei der Stadt Holzminden nachgefragt. Die Antwort aus dem Bauamt zeigt: Hinter den abgeschalteten Brunnen steckt offenbar keine kurzfristige Kleinigkeit, sondern ein größeres technisches Problem. Mehrere Anlagen in der Innenstadt sind in die Jahre gekommen, Reparaturen wären aufwendig – und Geld dafür steht derzeit nicht bereit.
Raabebrunnen: Schäden durch Rattenfraß
Besonders betroffen ist der Raabebrunnen. Er war bereits 2014 an Sandstein und Brunnentasse restauriert worden. Nun bereitet jedoch die Technik Probleme. Nach Angaben der Stadt kam es zuletzt mehrfach zu Schäden an Leitungen und am Steuerungskasten. Ursache sei Rattenfraß.
Hinzu kommt eine Besonderheit der Anlage: Der Raabebrunnen verfügt weder über einen Stromanschluss noch über ein eigenes Wasserreservoir. Das Wasser, das bislang nur als kleines Rinnsal floss, lief direkt in den offenen Mischwasserkanal. Genau das habe nach Einschätzung der Stadt wiederum Ratten angezogen. Die Folge: Der Brunnen wurde abgeschaltet.
Eine einfache Reparatur ist offenbar nicht möglich. Die Technik liegt unter dem Brunnen und ist nach Angaben des Bauamts nicht ohne Weiteres erreichbar. Zudem handelt es sich um einen neuen Schaden, für dessen Sanierung im aktuellen Haushalt keine Mittel eingeplant sind.
Brunnen in der „Oberen Straße“ brauchen größere Eingriffe
Auch die Brunnenanlagen in der „Oberen Straße“ bereiten Probleme. Dort ist die Technik nach Angaben der Stadt am Ende ihrer Nutzungszeit angekommen. Eine Überprüfung durch die ursprüngliche Herstellerfirma habe gezeigt, dass an der Wasserkaskade und am Wellenstein bei Sensoria erhebliche Wasserverluste auftreten.
Um diese Probleme zu beheben, würde es nicht reichen, einzelne Teile auszutauschen. Nötig wären umfangreiche Arbeiten im Boden und an den Leitungen zwischen Technikkammer und Wasserbecken. Außerdem müssten die wasserführenden Bereiche dauerhaft abgedichtet werden. Im ungünstigsten Fall müsste sogar die Edelstahlverkleidung erneuert und in die Abdichtung eingebunden werden.
Auch bei den Duftbrunnen sieht die Lage nicht besser aus. Die Technik in der Brunnenkammer sei stark überaltert. Nach Angaben der Stadt ist der Zustand inzwischen so schlecht, dass die Kammer für städtische Mitarbeitende nicht mehr sicher zu betreten ist.
Wann wieder Wasser fließt, ist offen
Damit wird deutlich: Die abgeschalteten Brunnen sind kein Schönheitsfehler, der sich nebenbei beheben lässt. Es geht um alte Technik, beschädigte Leitungen, Wasserverluste, Sicherheitsfragen und am Ende auch um Geld. Für die nötigen Sanierungen sind im aktuellen Haushalt der Stadt Holzminden keine Mittel vorgesehen.
Für die Innenstadt bleibt das sichtbar. Gerade in den Sommermonaten gehören Brunnen für viele Bürger zum Bild einer lebendigen Stadt. Sie sorgen für Atmosphäre, für Aufenthaltsqualität und für ein Stück Vertrautheit im öffentlichen Raum. Wann die betroffenen Brunnen wieder laufen können, ist derzeit offen.
Foto: awin