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Sonntag, 05. April 2026 Mediadaten
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Holzminden (my). Illegal Musik herunterladen oder Schule schwänzen – klar, das haben wir alle schon gemacht. Doch die Jugendlichen, die vor Jörg Mertens auf der Anklagebank sitzen, haben oft einiges mehr auf dem Kerbholz. Seine Aufgabe ist es herauszufinden, warum ein junger Mensch straffällig wird, um dann gerecht über ihn zu urteilen. Doch wie viel Platz bleibt im Gerichtssaal für Emotionen und Menschlichkeit? Unsere freie Mitarbeiterin Melike Yasaroglu hat sich mit Jugendrichter im Amtsgericht Holzminden getroffen.

Er geht zwar stark auf die 60 zu, dennoch kennt er die Sprache der Jugend, Instagram, Snapchat und Facebook. „Das hält mich jung“, sagt Richter Mertens, doch seine Arbeit im Gerichtssaal hat auch Schattenseiten. Er lernt die Jugend von ihrer dunklen Seite kennen, denn die andauernden Neuerungen in der digitalen Welt bieten auch immer mehr Nährboden für Straftaten wie Erpressung mit Nacktbildern, Verbreitung von gefakten Nacktbildern und Screenshots, Mobbing, Stalking, Beleidigung und falsche Verdächtigung. Der Jugendrichter kann viele Beispiele anbringen: Falsch verstandene WhatsApp-Nachrichten, die zu Eifersucht führen und in Straftaten enden; Diebstähle, weil man unbedingt das neueste Smartphone haben will; eine 16-Jährige, die vor Gericht Nacktbilder von sich zeigen lassen muss, während ihre Mutter daneben sitzt.

Als ich ihn zum Interview besuche, kommt Richter Mertens gerade aus der Mittagspause. Er erzählt, wie er dort zwei Männer traf und mit ihnen Kaffee getrunken hat. Dass es zwei Männern waren, die er bereits einmal verurteilt hatte, spielte für ihn dabei keine Rolle. Er glaubt an das Prinzip von Schuld und Sühne, danach fängt man bei ihm wieder „bei Null“ an, sagt er. „Diesen Beruf kann man nur dann machen, wenn man Menschen liebt“, erklärt er gleich zu Beginn unseres Interviews. Nur 20 Prozent Juristerei, aber 80 Prozent Arbeit am Menschen – so beschreibt er seine tägliche Arbeit im Gerichtssaal. Vor ihm sitzen Jugendliche, die seine eigenen Kinder sein könnten; sie stehlen, erpressen, prügeln, töten sogar.

Die große Frage ist immer die nach dem Warum. „Die meisten sind Beziehungsopfer und vereinsamt“, beschreibt Jugendrichter Jörg Mertens. Weil ihre Eltern viel streiten, keine Zeit für sie haben oder eine Liebe in die Brüche gegangen ist. Sie ziehen sich zurück, wollen sich profilieren oder ringen nach Aufmerksamkeit; die Beweggründe sind vielfältig. Oft sieht er sich selbst eher als Sozialarbeiter, weniger als Richter. Seit 16 Jahren arbeitet Jörg Mertens am Amtsgericht Holzminden und hat mehr als eine menschliche Tragödie erlebt: „Sie sind ein Mörder!“ schreit eine Mutter im Gerichtssaal, weil sie ihren Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren hat, oder ein kleines Mädchen muss detailliert schildern, wie es sexuell misshandelt wurde. Während er mir davon erzählt, gerät seine Stimme kurz ins Stocken und er gibt offen zu, manchmal auch im Gerichtssaal gegen die Tränen kämpfen zu müssen. Und es gibt Menschen, die er nicht vergisst. Den 17-Jährigen zum Beispiel, der in Holzminden 2001 seinen Urgroßvater und seine Oma erstochen hat. Richter Mertens erinnert sich noch heute an die erste Vernehmung und daran, wie kaltblütig und ruhig der Junge ihm die grausame Bluttat schilderte.

Der Jugendrichter wirkt kein bisschen müde nach all den Jahren, all den Vernehmungen, all den Verhandlungen; im Gegenteil, Jörg Mertens hat noch viel vor. Er erzählt mir von einem neuen Präventionsprojekt, das bald anlaufen wird, denn „schulschwänzen ist neben einem kaputten Elternhaus eine der Hauptursachen für Straftaten bei Jugendlichen“, erklärt er, „und Schulschwänzer sind mein Lieblingsthema.“

Menschen, die etwas in Holzminden bewegen, einen interessanten Beruf oder ein spannendes Hobby haben, finden Platz in unserer neuen Reihe „Auf einen Kaffee mit…“, die zweimal im Monat erscheint. Haben Sie Vorschläge für uns? Dann mailen Sie uns einfach an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.. Die nächste Folge erscheint am Sonntag, 16. April 2017.

Foto: my

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