Holzminden (lbr). Traditionell fanden am vergangenen Freitagabend die Mitgliederversammlungen des Feuerwehrverbandes Holzminden und der Ortsfeuerwehr Holzminden im Altendorfer Hof statt. Zahlreiche Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner, Fördermitglieder sowie Gäste aus Verwaltung, Politik und der Blaulichtfamilie nahmen an der Versammlung teil.
Rückblick auf ein einsatzreiches Jahr
Ortsbrandmeister Michael Nolte eröffnete seinen Jahresbericht mit den Worten: „Wir haben große Ziele erreicht“. Im Jahr 2026 wurde die Freiwillige Feuerwehr Holzminden zu insgesamt 318 Bränden alarmiert. Nolte sprach von einer hohen Einsatzfrequenz – und das ohne eine große Unwetterlage oder vermehrte Brandeinsätze. Besonders wichtig sei ihm, dass die Kameradinnen und Kameraden bis auf kleinere Blessuren stets gesund von den Einsätzen zurückgekehrt seien. „Das wichtigste Ziel eines Einsatzleiters“, so Nolte.
Großeinsätze prägten das Einsatzgeschehen
Zwei Großeinsätze seien ihm besonders im Gedächtnis geblieben. Dazu zählte der Dachstuhlbrand in der Hinteren Straße im Januar 2025, der die gesamte Innenstadt in Atem hielt und die Feuerwehr über zwei Tage hinweg beschäftigte. „Erstmals in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Holzminden wurden alle drei ihrer Ortsfeuerwehren für eine begrenzte Dauer vollständig abgemeldet. Die Einsatzkräfte der Kreisfeuerwehrbereitschaft mussten in diesem Zeitraum eine Türöffnung im Ortsgebiet Holzminden abarbeiten“, berichtete Nolte. Ein weiterer Großeinsatz folgte wenige Tage später am 24. Januar in der ehemaligen Brauerei Allersheim. Dort brannte eine Flaschenwaschmaschine. „Waschmaschinen können groß sein“, scherzte der Ortsbrandmeister.
Ehrenamtliches Engagement weit über Einsätze hinaus
Neben dem Einsatzgeschehen engagieren sich die Mitglieder auch in vielen weiteren Bereichen, darunter der Spielmannszug, die Kinderfeuerwehr, die Jugendfeuerwehr, die Brandschutzerziehung sowie zahlreiche Lehrgänge und Fortbildungen. Insgesamt kamen so rund 37.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit zusammen.
Ausbildung und Organisation im Wandel
Ein weiterer Schwerpunkt des Berichts lag auf organisatorischen Entwicklungen. Die Umstellung auf die modulare Grundlagenausbildung bezeichnete Nolte als Paradigmenwechsel. „Wir sind als moderne Freiwillige Feuerwehr überzeugt, dass es für die jetzige und folgende Generationen ein richtiger Weg ist, den wir gehen", so Nolte. Ausdruck dessen sei auch der erste gemeinsame Dienstplan auf Stadtebene für das Jahr 2026.
Neues Feuerwehrhaus als Motivationsschub
Ein besonderes Highlight des Jahres war die Inbetriebnahme des zweiten Bauabschnitts des Feuerwehrhauses am 19. Juni. Nolte berichtete von einer spürbaren Steigerung der Motivation innerhalb der Wehr. Auch der Tag der offenen Tür im neuen Feuerwehrhaus habe große Resonanz erfahren. Mehr als 2000 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich zu informieren. „Es hat mich dieses Jahr sehr beeindruckt, mit welcher Effizienz und mit welcher Geschlossenheit wir die Aufgaben angegangen sind und gemeinsam erfolgreich umgesetzt haben“, sagte Nolte. Abschließend griff er das Jahresmotto des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen auf: „Feuerwehr – Stark durch Zusammenhalt!“
Grußworte aus Politik und Blaulichtfamilie
Es folgten die Grußworte der Gäste. Bürgermeister Christian Belke dankte den Kameradinnen und Kameraden für ihren Einsatz und sprach von einem erfolgreichen Jahr für die Freiwillige Feuerwehr, geprägt durch die Übergabe des Gerätehauses und den Tag der offenen Tür. Er lobte die exzellente Führung sowie den exakten Ansatz von Kräften, Mitteln und Zeit und betonte, jeder investierte Euro in die Feuerwehr werde vollständig zurückgegeben.
Ratsvorsitzende Maren Urban würdigte das große Engagement der Feuerwehr und die stets offene und respektvolle Zusammenarbeit. Sie kündigte an, bei der nächsten Wahl nicht erneut zu kandidieren.
Stadtbrandmeister Nils-Peter Kriegel überbrachte die Grüße des Stadtkommandos und der gesamten Blaulichtfamilie. Er sprach von einer dauerhaft hohen Einsatzbelastung, der die Mitglieder neben Beruf und Familie gerecht würden. Positiv hob er unter anderem die Entwicklung der stadtweiten Kleiderkammer und die einheitliche Dienstplangestaltung hervor, wies aber auch auf einen absehbaren Mitgliederrückgang durch altersbedingtes Ausscheiden hin.
Weitere Grußworte richteten Oberstleutnant Sebastian Busentür, Polizeioberrat Marc-Dennis Pülm und Michael Eisenbeis von der Kreisfeuerwehr an die Versammlung.
Ehrungen für langjähriges Engagement
Im Rahmen der Jahreshauptversammlung wurden zahlreiche Mitglieder für ihre langjährigen Verdienste und ihre Treue zur Feuerwehr ausgezeichnet. Das Niedersächsische Feuerwehr-Ehrenzeichen für langjährige erworbene Verdienste im Feuerlöschwesen erhielten Tom Stahlmann für 25 Jahre sowie Holger Großkopf und Volker Papritzki für jeweils 50 Jahre.
Das Abzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen für langjährige Mitgliedschaft wurde für 50 Jahre an Klaus Ried verliehen.
Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurden Friedrich Ahlbrecht (abwesend), Walter Breker, Rainer Schmidtmann (abwesend) und Erich Werner geehrt.
Für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehrmusik im Spielmannszug erhielt Gisela Winter das Abzeichen des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen.
Eine besondere Auszeichnung erhielt Dieter Kumlehn, dem das Ehrenzeichen der Niedersächsischen Jugendfeuerwehr verliehen wurde.
Aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung
Aufgrund eines Dienstgradwechsels entfielen in diesem Jahr die Beförderungen auf der Jahreshauptversammlung. Aus der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung, Gruppe 3, übernommen wurden Emely Twele, Jason Wiebe und Dean Müller (abwesend).
Um 21 Uhr schloss Ortsbrandmeister Michael Nolte die Jahreshauptversammlung mit den Worten: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!“
Fotos: lbr