Holzminden (awin). Am 26. Februar hat im Kreishaus die 11. Sitzung des Beirats für Menschen mit Behinderungen stattgefunden. Zwölf Teilnehmende berieten unter Leitung der Vorsitzenden Monika Meyer rund anderthalb Stunden über aktuelle Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen und ihre Familien im Landkreis Holzminden.
Im Mittelpunkt stand zunächst die Arbeit von Sarah Marquard, die seit zwei Jahren als Verfahrenslotsin tätig ist. Sie unterstützt junge Menschen unter 27 Jahren mit oder mit drohender Behinderung. Das Angebot umfasst Beratung zu möglichen Leistungen, Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen sowie Begleitung bei Behördengängen. Zudem erläutert sie komplexe Amtssprache, hilft bei der Bedarfsermittlung und unterstützt bei der Organisation notwendiger Hilfen.
Die Tätigkeit ist unabhängig, kostenlos und freiwillig. Betroffene können die Zusammenarbeit jederzeit beenden. Darüber hinaus versteht sich Marquard als Netzwerkerin. Ziel sei es, die Akteure im Bereich Leben mit Behinderung enger zu verknüpfen und die Zusammenarbeit im Landkreis nachhaltig zu stärken.
Elterninitiative „Special Edition Kids“ fordert bessere Teilhabe
Große Aufmerksamkeit erhielt die Vorstellung der Elterninitiative „Special Edition Kids“ durch Malena Blume. Acht Eltern haben sich zusammengeschlossen, um die Interessen ihrer Kinder mit Behinderung zu vertreten. Im Fokus steht die gleichberechtigte Teilhabe an Nachmittags- und Ferienbetreuung sowie an Sportvereinen – auch außerhalb schulischer Angebote.
Auch setzt sich die Initiative für die Gewinnung geeigneten Fachpersonals, für finanzielle Unterstützung und für eine stärkere Entlastung betroffener Familien ein. Um mehr Öffentlichkeit zu erreichen, will sich die Gruppe an Schulen und Kitas vorstellen sowie bei Veranstaltungen wie dem Kinderfest am Kaufmannsgarten und dem Kindertag in der Lutherkirche präsent sein.
Die Initiative trifft sich alle zwei Monate am zweiten Freitag um 20 Uhr in der „Drehscheibe“ in Holzminden. Dort tauschen sich Familien aus, beraten sich zu Behördengängen, sprechen über Schwierigkeiten mit Ämtern und Krankenkassen und unterstützen sich gegenseitig im oft belastenden Alltag. Informationen werden über Instagram sowie über Flyer und Plakate verbreitet.
Deutliche Versorgungslücken im Landkreis Holzminden
In der Sitzung wurde erneut deutlich, dass trotz vielfältigen Engagements weiterhin hohe Hürden bestehen. „Es gibt jedes Jahr weniger familienunterstützende oder familienentlastende Dienstleister“, beschreibt Marquard die aktuelle Lage. Vielen Familien sei nicht bekannt, welche Hilfen es gebe oder an welche Stellen sie sich wenden könnten. Als zentrales Problem nennt sie den Fachkräftemangel und die Frage, wie geeignete Personen für diese Tätigkeit gewonnen werden könnten.
Eine gemeinsame Umfrage der Verfahrenslotsin und der Elterninitiative bestätigt diese Einschätzung. Vor allem am Nachmittag und in den Ferien fehlten Betreuungsangebote. Zudem wünschten sich viele Eltern Unterstützung in finanziellen Fragen. Von 30 befragten Familien mit einem pflegebedürftigen Kind nutzen lediglich fünf Angebote unterstützender Dienstleister. Die übrigen Familien fänden keine passenden oder barrierefreien Angebote oder wüssten nicht, wo sie Hilfe erhalten könnten.
Auch Probleme aus dem „Offenen Treff“ für Menschen mit Behinderungen in der „Drehscheibe“ am 23. Februar wurden thematisiert. Kritisiert wurde unter anderem die Parkplatzsituation am MVZ. Dort sei die Gebührenzahlung ausschließlich bargeldlos möglich, was insbesondere für ältere Menschen unpraktisch sei. Zudem werde mit Kennzeichenerkennung gearbeitet, und bereits nach kurzer Überschreitung der kostenfreien Parkzeit falle eine vergleichsweise hohe Gebühr an.
Zum Ende der Sitzung ging es um die Erreichbarkeit von Arztpraxen. Viele ältere Menschen hätten Schwierigkeiten, telefonisch einen Termin zu vereinbaren, da zahlreiche Praxen die Vergabe nur noch online oder per App anböten. Der Beirat wünscht sich hier mehr Rücksicht auf Menschen, die mit digitalen Angeboten nicht Schritt halten können.
Um die eigene Arbeit im Landkreis Holzminden sichtbarer zu machen, hat der Beirat Informationsbroschüren drucken lassen. Diese sollen künftig in Arztpraxen und Verwaltungsgebäuden ausliegen und zur besseren Vernetzung beitragen.

Foto: awin