Montag, 09. Dezember 2019 10:32 Uhr

Welche Vögel sind noch da? NABU und NAJU rufen zur Wintervogelzählung auf

Weserbergland (red). Wer flattert denn da durch den winterlichen Garten? NABU und NAJU Niedersachsen rufen vom 10. bis zum 12. Januar 2020 zur zehnten „Stunde der Wintervögel“ auf. Bundesweit laden NABU und sein bayerischer Partner Landesbund für Vogelschutz (LBV) zur Teilnahme an Deutschlands größter Mitmachaktion ein. Dann können Vogelfreundinnen und ?freunde eine Stunde lang Vögel beobachten, zählen und dem NABU melden. Nach dem zweiten Rekordsommer in Folge könnte die Zählung Aufschluss darüber geben, wie sich anhaltende Dürre und Hitze auf die heimische Vogelwelt auswirken. Je mehr Menschen mitmachen, desto aussagekräftiger werden die Ergebnisse.

Auch in der NABU Regionalgeschäftsstelle Weserbergland rufen viele naturverbundene Menschen an, um Ihre Beobachtungen mitzuteilen – die Leiterin der Geschäftsstelle nimmt seit mittlerweile vier Jahren die Zählwerte entgegen, um sie direkt online zu melden. In diesem Jahr könnte es zudem interessante Erkenntnisse für den Eichelhäher geben. „Im Herbst haben wir einen massiven Einflug dieser Art nach Deutschland und Mitteleuropa beobachtet“, sagt Britta Raabe. „Im September waren es über zehnmal so viele Vögel wie jeweils im gleichen Monat der vergangenen sieben Jahre. Im Oktober registrierten Vogelzugzählstationen sogar 16 Mal so viele Eichelhäher. Ähnlich hohe Zahlen gab es zuletzt 1978.“ Als Grund vermuten die Ornithologen, dass es 2018 in Nordosteuropa eine sogenannte Eichelvollmast gab, also besonders viele Eicheln herangereift sind. So konnten deutlich mehr Eichelhäher den vergangenen Winter überleben und in diesem Jahr brüten. „Viele dieser Vögel sind nun zu uns gezogen, weil in ihren Herkunftsgebieten nicht mehr genug Nahrung für alle Vögel vorhanden ist“, erklärt Raabe. „Seit die Eichelhäher nicht mehr aktiv wandern, scheinen sie jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Die ‚Stunde der Wintervögel‘ könnte zeigen, wo diese Eichelhäher geblieben sind. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie sich in den Wäldern und Gärten des Landes verteilt haben.“

  • Im Flug ist der Eichelhäher (Garrulus glandarius) nicht immer sofort zu erkennen, ist er aber erst einmal gelandet, lassen sein rötlich-brauner Körper, der schwarze Bart, die schwarz-weißen Flügel und vor allem die hübschen blau schillernden Federn am Flügelbug an seiner Identität keinen Zweifel. Kommt man dicht genug an ihn heran, sieht man auch die strahlend blauen Augen. Seinen Namen verdankt der Eichelhäher seiner Lieblingsspeise. Bis zu zehn Eicheln kann er im Kehlsack transportieren - und trägt dazu nicht selten noch eine im Schnabel. Die Baumfrüchte versteckt er dann sorgfältig als Wintervorrat im Boden, was auf ein phänomenales Gedächtnis schließen lässt. Da er aber am Ende doch nicht alle Verstecke wiederfindet, können viele der Eicheln auskeimen. So sät er indirekt Nahrungsbäume für nachfolgende Eichelhäher-Generationen. In der Vergangenheit verhalf er Eichenwäldern durch diese Eigenart übrigens auch zur Ausbreitung. Der Eichelhäher ist ein Meister der Imitation, dem selbst Vogelexperten auf den Leim gehen können. Oft stellt sich ein rufender Habicht oder Specht als Eichelhäher heraus. Charakteristisch ist aber auch sein laut-rätschender Alarmruf, den er hören lässt, sobald er eine Gefahr in der Nähe ausgemacht hat. Auch alle anderen Vögel horchen auf, wenn sie ihn hören. Gartenbesitzer in Waldrandlage werden den wachsamen Rabenvogel am ehesten zu sehen bekommen, da er immer wieder den Schutz der Bäume sucht. Vor allem im Winter streifen die Vögel auf der Suche nach Nahrung weit umher und landen auch in Gärten, wo sie Haselnüsse und Beeren nicht verschmähen.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und findet bereits zum zehnten Mal statt. Jeder kann eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zählen und dem NABU melden. Von einem ruhigen Beobachtungsplatz aus wird von jeder Art die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig zu beobachten ist. Die Beobachtungen können unter www.stundederwintervoegel.de bis zum 20. Januar gemeldet werden. Zudem ist für telefonische Meldungen am 11. und 12. Januar jeweils von 10 bis 18 Uhr die kostenlose Rufnummer 0800 1157-115 geschaltet. Auch die NABU Regionalgeschäftsstelle Weserbergland nimmt Anrufe ab dem 06. Januar unter 05751-5237 entgegen.

Bei der letzten großen Vogelzählung im Januar 2019 beteiligten sich in Niedersachsen über 15.400 Menschen. Insgesamt gingen Meldungen aus über 10.100 Gärten ein. Der Haussperling ergatterte damals den Spitzenplatz als häufigster Wintervogel in Niedersachsens Gärten, Kohlmeise und Blaumeise folgten auf Platz zwei und drei. Deutschlandweit beteiligten sich über 138.000 Menschen an der Aktion, der Haussperling war auch hier häufigster Wintervogel, gefolgt von Kohlmeise und Feldsperling.

  • Der Haussperling gehört zu den Kulturfolgern, was heißt, dass er maßgeblich von der Lebensweise des Menschen profitiert. Das war zumindest mal so, und das „Getschilpe“ und Gezeter von Schlafplatzgemeinschaften in dichten Büschen oder Bäumen war noch vor einigen Jahrzehnten allgegenwärtig. Doch die Bestände nehmen ab, und das überall in Europa. Ursachen liegen möglicherweise im Mangel an Insekten, die der Haussperling für die Aufzucht seiner Jungen benötigt. Auch die weitreichenden Altbausanierungen lassen Nistmöglichkeiten an den zuvor lückigen Gebäudestrukturen verloren gehen. Nach einer Studie in Großbritannien sind Haussperlinge vor allem in Stadtzentren und auf dem Land seltener als jemals zuvor. Das Männchen hebt sich mit schwarzem Kehllatz, grauer Kopfplatte, braunem Nacken und grauweißen Kopfseiten vom Weibchen ab. Dieses ist unscheinbar grau-beige mit einem gestrichelten Federkleid. Der Haussperling ist ein Körnerfresser – mit seinem kräftigen Schnabel frisst er größere Samen oder Getreidekörner. Nicht scheu, gehört er auch im Winter zu den häufigsten Futterplatz-Besuchern.

Die NAJU Niedersachsen lädt im Rahmen der „Schulstunde der Wintervögel“ vom 6. bis 10. Januar alle kleinen Vogelfreundinnen und -freunde ein, im Park, auf dem Schulhof und im Garten eine Stunde lang Vögel zu zählen und mehr über sie zu erfahren. Dafür bietet die NAJU auf www.NAJU.de/SdW Zählkarten, ein Poster und ein Wintervogel-Quiz für Kindergruppen und Schulklassen an. Bei fünf Aktionen lernen sie Vögel und ihre Anpassungsstrategien an die kalte Jahreszeit kennen. Die Zählergebnisse der Kinder fließen ebenfalls in die NABU-Auswertung ein.

Foto: NABU/Kathy Büscher

 

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