Holzminden (awin). Wer am Holzmindener Bahn- und Busbahnhof auf den Bus wartet, vom Zug in den nächsten Anschluss umsteigt oder mit Kindern unterwegs ist, kennt das Problem: Eine öffentlich zugängliche und barrierefreie Toilette gibt es dort nicht. Was für manche nur ärgerlich ist, kann für Seniorinnen und Senioren, Familien und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen schnell zur Belastung werden. Nun soll sich daran etwas ändern – zunächst mit einer Übergangslösung.
Der Rat der Stadt Holzminden hat in seiner Sitzung am 5. Mai mehrheitlich beschlossen, dass die Verwaltung unverzüglich eine temporäre Toilettenlösung am Bahn- und Busbahnhof einrichten und betreiben soll oder dies durch Dritte ermöglichen lassen kann. Sie soll öffentlich zugänglich, barrierefrei und so lange nutzbar sein, bis eine dauerhafte Anlage umgesetzt ist.
Seit Jahren bekanntes Problem
Der Beschluss geht auf einen Antrag der SPD-Fraktion zurück. Bahnhof und Busbahnhof seien zentrale Orte zum Ankommen, Abfahren und Umsteigen. Gerade dort fehle jedoch eine grundlegende Versorgung.
Nach Darstellung der Antragstellerinnen und Antragsteller trifft die Situation vor allem Menschen, die nicht einfach ausweichen können: ältere Reisende, Personen mit Mobilitätseinschränkungen und Familien mit Kindern. Auch Hinweise der AG Bahn, des Seniorenrates und des SoVD aus dem Jahr 2024 hätten aus Sicht der SPD den Handlungsbedarf deutlich gemacht.
Neu ist die Debatte nicht. Bereits 2021 hatte der Rat die grundsätzliche Notwendigkeit einer öffentlichen Toilettenanlage am Bahnhof anerkannt. Umgesetzt wurde sie bislang nicht. Deshalb soll die Verwaltung nun parallel zur langfristigen Planung eine Lösung für die Zwischenzeit auf den Weg bringen.
Mobile Anlagen und Kooperationen im Blick
Geprüft werden sollen insbesondere mobile Toilettenanlagen sowie zeitlich befristete Kooperationslösungen. Außerdem soll die Verwaltung den zuständigen Gremien einen konkreten Zeitplan, eine Kostenübersicht sowie Vorschläge für Betrieb und Finanzierung vorlegen.
Die dauerhafte, öffentliche und barrierefreie Toilettenanlage am Bahnhof Holzminden bleibt weiterhin Ziel der Stadt. Bis dahin soll die Lücke aber nicht länger unbeantwortet bleiben.
Mehrheit trotz finanzieller Bedenken
In der Beratung wurden auch Gegenargumente deutlich. Bürgermeister Christian Belke sprach sich gegen eine vorübergehende Lösung aus. Er halte das Anliegen grundsätzlich für unterstützenswert, sehe aber Schwierigkeiten bei der Finanzierung einer freiwilligen Leistung. Auch aus den Reihen von FDP und CDU wurden Bedenken mit Blick auf die Haushaltslage und die bereits bestehenden freiwilligen Leistungen der Stadt geäußert.
Die Mehrheit des Rates folgte dennoch dem Antrag. Der Beschluss fiel mit 14 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Dafür stimmten SPD, Grünen-Gruppe und UWG. Nun ist die Verwaltung am Zug.
Bahnhofsgebäude wird ebenfalls geprüft
In derselben Sitzung rückte auch das Bahnhofsgebäude in den Fokus. Einstimmig beschlossen wurde ein Prüfauftrag zur Vorbereitung eines möglichen Ankaufs. Dabei soll untersucht werden, ob die bestehende Wartehalle und weitere Räume kurzfristig genutzt werden können.
Auch die Einrichtung oder Reaktivierung öffentlicher Toiletten soll dabei geprüft werden. Zudem soll die Verwaltung mögliche Nutzungen fachlich, technisch und wirtschaftlich bewerten. Dazu gehören Investitions- und Betriebskosten, die Umsetzbarkeit sowie mögliche Förderprogramme.
Für Holzminden geht es damit um mehr als eine einzelne Toilettenanlage. Es geht um die Frage, ob ein zentraler Ankunftsort der Stadt auch die Bedürfnisse der Menschen erfüllt, die dort täglich warten, umsteigen oder ankommen. Der Ratsbeschluss löst das Problem noch nicht. Aber er bringt Bewegung in ein Thema, das für viele Betroffene längst zum Alltag gehört.
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