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Mittwoch, 13. Juni 2018 09:03 Uhr

54 Schülerinnen und Schüler des Internats Solling in Holzminden simulierten in einem Planspiel die Griechenland-Krise und verhandelten Maßnahmen zur Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzkrise

Holzminden (red). „Da das Thema so komplex war, fiel mir die Einarbeitung in meine Doppelrolle zu Beginn nicht leicht. Umso spannender und interessanter wurde es zum Ende des Planspiels, als jeder mit seiner Rolle und dem Thema vertraut war", erklärt Clara, Schülerin des Internats Solling in Holzminden und für einen Tag Vorsitzende der Eurogruppe sowie Vertreterin der Slowakei. Am 7. und 8. Juni durfte sie mit ihren 54 MitschülerInnen in die Rollen der politischen Akteure der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise schlüpfen. Als Mitglieder des griechischen Parlaments, der Troika, der Eurogruppe oder als Interessen- und PressevertreterInnen gestalteten die Teilnehmenden in Eigenregie europäische Politik. Alle waren mit Elan bei der Sache und spürten, wie schwierig es sein kann, die unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen der politischen Lager in einem Kompromiss zu vereinen.

Zusammen wurde hitzig über einen Lösungsweg aus der griechischen Wirtschafts- und Finanzkrise des Jahres 2012 diskutiert. Den Schwerpunkt der finalen Debatte stellte vor allem die Beibehaltung der schwierigen Balance zwischen der Selbstständigkeit Griechenlands sowie dem Anspruch auf solidari-sche Unterstützung seitens der restlichen Eurozonen-Länder dar. Einigkeit herrschte auf allen Seiten bezüglich der Tatsache, dass Griechenland auf sich gestellt nicht mehr aus der Krise finden würde, und am Ende sogar ein Ausstieg aus dem Euro als letzte Konsequenz drohte. Die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden müssen, um das zu verhindern, versorgte die Teilnehmer/innen jedoch mit reichlich Diskussionsstoff. Erbitterte Verhandlungen über Privatisierung staatlichen Eigentums, Kürzungen im Bildungs- und Sozialsektor und mehr Investitionen und Transparenz bestimmten die abschließende Nachverhandlung. Letzten Endes sorgte aber die Bereitschaft aller Beteiligten zur Kompromissfindung für eine erfolgreiche Schlussabstimmung über das weitere, gemeinsame Vorgehen in der Krise. 

Ziel des Planspiels war es, ein besseres Verständnis für politische Entscheidungsfindung auf europäi-scher und nationalstaatlicher Ebene unter Einbezug von verschiedenen Standpunkten und Ansichten zu vermitteln. „Die Möglichkeit, eigene Lösungswege vor dem Zusammentreffen mit den anderen Gruppen zu erarbeiten und diese dann zu verteidigen und miteinander zu vereinen war super“, so Patrick, Interessenvertreter für „Attac“.

Möglich gemacht wurde das Planspiel vom Internat Solling in Holzminden. „Bei der Simulation erfah-ren die jungen Leute hautnah, wie schwierig es ist, im demokratischen System für die eigene Meinung in Debatten einzutreten und Kompromisse auszuhandeln“, berichtet Heiner Meisieck, Lehrer für Poli-tik am Internat. Besonderes Lob gebührte an diesem Tag den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen und des griechischen Parlaments. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Ich war Vorsitzender des griechi-schen Parlaments und gleichzeitig Vertreter der rechtsextremen „Goldenen Morgenröte“, was eine schwierige Kombination war, und gut gezeigt hat, wie schwer es sein kann, in der Politik unvoreinge-nommen zu sein. Die Einarbeitung war echt anstrengend, die Diskussion am Ende aber dafür umso ergiebiger“, so das griechische Staatsoberhaupt und Vertreter der Partei „Crysi Avgi“.

Foto: Valentum Kommunikation

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